Ein Beitrag von Birgit Abrameit

Jodeln klingt für viele Menschen erst mal abschreckend, überholt, spießig oder nur etwas für „Alm-Öhis“.
Darüber habe ich mir als Kind zum Glück gar keine Gedanken gemacht. Ich bin in Clausthal-Zellerfeld im Oberharz aufgewachsen, hörte diese lustige Gesangsart im Küchenradio meiner Eltern und machte sie, ohne nachzudenken, nach. Es klappte mühelos, meine Eltern witterten ihre Chance, mich wenigstens für einen Nachmittag in der Woche loszuwerden und schickten mich die Straße runter zu den Oberharzer Bergsängern. Die wiederum freuten sich über Nachwuchs und so sang und jodelte ich fröhlich auf der Bühne mit, war auch nicht ganz unerfolgreich und entdeckte die kleine „Rampensau” in mir.
Als Jugendliche hörte ich mit dem Jodeln wieder auf, denn ich wollte ja nicht uncool sein. Ich sang lieber in Schüler- und Studentenbands Rockmusik.
Später, als ich mich beruflich nach meiner Radiozeit in Richtung Stimmtrainerin und AAP-Trainerin orientierte, fand ich wieder alles spannend, was man mit der Stimme so machen kann. Ich widmete mich neben klassischem Gesang, Rock-, Pop- und Jazzgesang auch den experimentelleren Gesangsformen wie dem Obertonsingen und dem Jodeln.
Inzwischen erfährt das Jodeln gerade  wieder mehr Aufmerksamkeit. Leute buchen Jodelworkshops und probieren es aus, ähnlich wie das noch populärere „Rudelsingen“.

Was ist denn Jodeln überhaupt?
Hier kommt eine Definition: „Jodeln ist Singen ohne Text auf sinnfreien Silben, oft mit großen Intervallsprüngen und schnell aufeinander folgenden Registerwechseln von Kopf-oder Falsettstimme zur Bruststimme.“

Jodeln und AAP
Mein Aha-Erlebnis beim Jodeln hatte ich bei unserer diesjährigen AAP-Jahrestagung auf dem Hesselberg.
Ich habe für meine Kolleginnen und Kollegen einen kleinen Jodelworkshop vorbereitet, der so ungefähr 2,5 Stunden ging. Früher war ich nach ca. 1 Stunde Jodeln stimmlich stark angestrengt. Halsschmerzen, Kloßgefühl, Druck im Hals. Dieses Mal nichts davon. Zum ersten Mal war das Jodeln für mich mühelos und völlig unanstrengend. Wunderbar. Was war anders?
Ich habe bewusst darauf geachtet, mich inspirieren zu lassen, statt am Anfang aktiv einzuatmen. Außerdem habe ich abgespannt (bewusst die Ventilspannung im Mund gelöst, dadurch einen Impuls an das Zwerchfell gegeben und bin so reflektorisch und ökonomisch zu Luft gekommen).
Wir hatten vorher ein AAP-Warm-up gemacht, also körperliche und stimmliche Aufwärmübungen der Atemrhythmisch Angepassten Phonation (AAP). Ich war achtsam, durchlässig und so fand auch meine Stimme das Jodeln dieses Mal echt lässig. Es war eine schöne Erfahrung, wie spielerisch leicht das Jodeln sein kann. Zum Schluss gab es natürlich das kleine „Jodeldiplom“ für jeden Teilnehmer. Sie wissen schon: Da hat man was Eigenes 😉

Nicht nur ich als Workshopleiterin hatte viel Spaß, sondern auch meine Kolleginnen und Kollegen. Und das schätze ich auch so sehr an AAP‘lern. Die vorurteilsfreie, kindlich-neugierige Herangehensweise. Eine tolle Erfahrung!
Singen und Jodeln machen glücklich!
Deshalb: AAP – zur Nachahmung empfohlen.

P.S.: Kommen Sie doch auch mal zu einer AAP Jahrestagung. Auch als Nicht-Mitglied sind Sie herzlich Willkommen!!!
P.P.S.: So hat es bei mir auch angefangen 😉