„Die „Atemsprache“, das Vermächtnis von Josef Kainz weiterzugeben, bewährtes Erfahrungsgut auszuwählen durch experimentelle wissenschaftliche Untersuchungen und mit eigenem Beitrag Neues dazuzugewinnen, hat die folgende Arbeit angeregt. Das Erarbeiten schauspielerischen Rüstzeugs sollte sich bei voller Wahrung individueller Lehr- und Lernwege auf eine gesicherte Ausbildungsgrundlage stützen dürfen.“ *
(* Josef Kainz war ein berühmter Schauspieler Anfang des 20. Jahrhunderts, dem man nachsagte, er könne eine gesamte Textseite auf einen Atem sprechen – weil man keine Atembewegungen sah oder hörte.)

Mit diesen Worten beschreibt Horst Coblenzer seine Motivation Anfang der 60er Jahre. In Wien arbeitete er als Ordinarius für Stimm- und Sprecherziehung am Max-Reinhardt-Seminar der Universität für Musik und Darstellende Kunst. Mit Franz Muhar, dem Lungenfacharzt und Leiter des Pulmologischen Zentrums der Stadt Wien, erforschten sie ein wissenschaftlich begründetes wie auch in pädagogischer Arbeit bewährtes Konzept für die Arbeit mit Atem und Stimme. Dieses nannten sie die Atemrhythmisch Angepasste Phonation, kurz AAP®.

Ihre Arbeit sollte „erst der Anfang notwendiger Bemühungen sein, damit sich eine methodisch individuelle Ausbildung der Stimme wenigstens in den Grundlagen auf eine experimentell gesicherte und allgemein gültige Basis stützen kann.“

Dazu führten Beide aufwändige Reihenuntersuchungen der Zwerchfelltätigkeit an rund 400 Probanden durch. Dabei handelte es sich sowohl um Stimmkünstler als auch „einfache“, stimmtechnisch nicht ausgebildete Probanden. Mit ihren Ergebnissen begeisterten sie die Fachwelt.
Zuerst entwickelten sie für Schauspielstudenten ein breites Übungsrepertoire und später dann für alle, die beim Sprechen, Singen und Musizieren viel mit ihrem Körper, dem Atem, der Stimme und der Artikulation gefordert sind. Größten Wert legten sie zudem auf authentisches Auftreten in partnerschaftlichen, kommunikativen Kontakt.

In der Reihe „Wiener klinische Wochenschrift“ veröffentlichten Coblenzer und Muhar 1965 unter dem Titel „Die Phonationsatmung“ ihre erste wissenschaftliche Schrift. In ihr werden die physiologischen Grundlagen der Atemrhythmisch Angepassten Phonation nachgewiesen. Coblenzer und Muhar lassen ihre Erkenntnisse in der Überzeugung gipfeln, dass sie naturgegeben ist.

In der österreichischen Mediathek finden Sie als Stream die einzigartigen Filmdokumente mit Röntgenaufnahmen der Zwerchfelltätigkeit:

Praxis der atemrhythmisch angepaßten Phonation

Atemführung und Körperhaltung beim Musizieren

In Horst Coblenzers Dissertation „Die Bedeutung des Atemrhythmus für den sprachlichen Ausdruck des Schauspielers“ (1970) sind die wissenschaftlichen Erkenntnisse bereits im Zusammenspiel mit der pädagogischen Umsetzung zu finden.

Die AAP® nahm von da an in der Therapie und Pädagogik von Atem, Stimme und Artikulation eine zentrale Rolle ein.
Horst Coblenzer veranstaltete über drei Jahrzehnte auf Boldern am Zürichsee die legendären Sommerseminare „Atem- Stimm- und Sprechschulung“. Langjährige Mitarbeitende gründeten im Jahr 2000 die DVAAP e.V. (Deutsche Vereinigung für Atemrhythmisch Angepasste Phonation nach Coblenzer/Muhar) und führen nach seinem altersbedingten Rückzug seine Arbeit in Deutschland fort. Seit 2013 bieten wir auch in Deutschland auf dem Hesselberg in Franken begeisternde Sommerseminare an.