Philosophische Gedanken zu einem Fest, das keiner versteht.
(von Bruder Theophilos)

Habt ihr schon einmal einen modernen Schwerhörigen wie mich telefonieren sehen? Man könnte meinen, die mit Stöpsel im Ohr sind nicht ganz bei Trost. Dabei sind die neuesten Hörgeräte geradezu Wunderwerke der Inspiration. Da hört man nicht nur seinen Gesprächspartner glasklar, sondern da hört man Dinge, die andere gar nicht mitbekommen. Mit einem Smartphone landet das Gespräch direkt im Ohr, ohne das Telefon in die Hand zu nehmen. Wenn ich telefoniere, sehe ich aus wie ein Bekloppter. Ich höre Stimmen und keiner redet. Mir gehen Worte durch den Kopf und keiner steht da. Ich rede, und jeder denkt an Selbstgespräche. Das geschulte Auge diagnostiziert sofort: Ein Fall für die Psychiatrie. Gespräche ohne Partner muten schizophren an. Zumindest geht es hier nicht mit rechten Dingen zu.
Inzwischen verstecke ich mich zum Telefonieren, um ungläubige Blicke in der Kommunikation zu vermeiden. 🙂

Im Reden und Sprechen geht es uns ums Ankommen. Meine Botschaft soll beim anderen etwas berühren, etwas auslösen, ihn in Bewegung versetzen. Unser ganzes Mühen, unsere Intention hat es auf das Herz des Gegenübers abgesehen. Unsere Worte wollen nicht nur im Kopf der anderen herumgeistern, sondern die Seele treffen und Verbindungen knüpfen. Worte wollen werben. Worte wollen das Verschiedene verbinden. Worte wollen aus Fremden Freunde machen. Mit Worten wollen wir bereichern, beschenken, andere auf eine faszinierende Reise unserer Gedanken mitnehmen. Worte haben Flügel, die in andere Welten entführen wollen.

Wo wir nicht ankommen, verblüht ein Augenblick, dem Großartiges in die Wiege gelegt war. Wo wir nicht ankommen, wäre Schweigen besser gewesen. Wo der Funke nicht überspringt, waren die Worte nicht heiß. Wenn ich mit einem “virtuellen” Partner telefoniere, schießt meine Intention am “realen” Partner, direkt neben mir, vorbei. Für ihn bin ich ein Kommunikations-Killer. Sprechen und den anderen übersehen bedeutet Frust. Er versteht mich, sich selbst und die Welt nicht mehr.

Pfingsten versteht auch kaum einer mehr. Mit Weihnachten und Ostern kann man ja gerade noch etwas anfangen, aber bei einem Fest für den Geist, rotieren alle Schräubchen im Getriebe. Da werden wir mit etwas konfrontiert, mit dem uns nichts verbindet. Auch wenn der Geist die Kommunikation der Menschen untereinander fördern will, wenn er für Frieden, Versöhnung und Trost steht, hat er noch eine ganz andere Dimension. Von ihm kommen Flüstertöne einer anderen Welt direkt ins Ohr. Für niemand sichtbar, werden wir von aufbauenden Worten bewegt. Das Schwere eines jeden Tages, all die mitmenschlichen Spannungen, werden von Mut machenden Worten inspiriert. Da sagt ein kleiner Mann im Ohr: Weitermachen, nicht aufgeben! Da ist ständig etwas, das zum Leben weckt, wo Belastendes lahmlegen will. Wenn wir auch nicht verstehen wie Pfingsten geht, so ist es das starke Ja zum Leben. Es ist köstlich, sich davon beeinflussen lassen.

Inspirierende Pfingsten wünsche ich Euch.
Theo Philos